Zungenrede
Aus AdvenTiki
In den letzten 100 Jahren ist in der Christenheit ein Phänomen aufgetreten, daß sehr umstritten ist: die moderne Zungenrede. Diese äußert sich in unverständlichen, ekstatischen Lauten, die niemand, auch der Sprecher selbst nicht, verstehen kann. Ich möchte hier untersuchen, ob diese mit der biblischen Sprachengabe identisch ist. Der alleinige Maßstab muß dabei die Bibel sein. Das bedeutet, das wir alle Bibelstellen zu diesem Thema befragen müssen. Diese sind:
- Markus 16,15-18
- Apostelgeschichte 2,1-11
- Apostelgeschichte 10,44-48
- Apostelgeschichte 19,1-7
- 1. Korinther 12-14
Wichtig ist hier der Grundsatz, daß sich die Bibel selbst auslegt. Schwerverständliche Stellen müssen im Licht der unmißverständlichen Aussagen der Bibel erklärt werden. Alles andere wäre kein ehrlicher Umgang mit dem Wort Gottes. Subjektive Erfahrungen sowie Zeichen und Wunder dürfen niemals der Maßstab sein, wenn es darum geht, biblische Wahrheiten herauszufinden. Die entscheidende Frage ist: Ist die biblische Zungenrede ein unverständliches, ekstatisches Reden oder aber das übernatürliche Reden in Fremdsprachen, die der Sprecher vorher nicht gelernt hat? Aber zuerst möchte ich einige Dinge über die Entstehung der charismatischen Bewegung und der modernen Zungenrede sagen.
Die Geschichte der charismatischen Bewegung und der modernen Zungenrede
Die erste charismatische Welle geht auf das Jahr 1906 zurück. Damals trat das moderne Zungenreden in einer Gemeinde in Los Angeles auf. Dies war der Anfang der Pfingstgemeinde, die sich rasch ausbreitete. Andere Kirchen akzeptierten das moderne Zungenreden bis dahin nicht. Wer in Zungen redete, wurde ausgeschlossen. Die zweite Welle der charismatischen Bewegung fing etwa um 1960 an. Das Zungenreden hat sich seit dieser Zeit in fast allen christlichen Gemeinschaften, Freikirchen und Kirchen eingebürgert. Seit 1967 hat die Zungenrede Eingang in die katholische Kirche gefunden. Kardinal Leon Joseph Suenens bekam vom Papst den Auftrag, die Zungenrede unter Katholiken zu fördern. 1975 sprach der Papst selbst vor Tausenden von Menschen in ekstatischen Zungen. 1978 feierte man auf dem katholischen Kirchentag in Dublin Maria als Urcharismatikerin. Mehr als 1000 katholische Priester und Bischöfe sangen und tanzten aus Freude und sprachen in Zungen. Die Tatsache, daß nun Protestanten und Katholiken in Zungen redeten, machte die charismatische Bewegung zum Motor der Ökumene. Es galt der Slogan: Dogmen trennen, Liebe eint. Seit 1980 beobachtet man die dritte Welle der charismatischen Bewegung. Sie heißt nun charismatische Gemeindeerneuerung. Führende Männer sind Yonggi Cho, Peter Wagner, John Wimber und in Deutschland Reinhard Bonnke. Die dritte Welle nahm verstärkt viele protestantisch geprägte Gruppen in Angriff, die sich bisher nicht haben mitreißen lassen. Im August 1991 fand in der englischen Stadt Brighton die „Internationale Charismatische Konferenz der Weltevangelisation“ statt. Dort trafen sich etwa 3000 Delegierte aus aller Welt, unter ihnen Anglikaner, Lutheraner und Katholiken. Die Zeitschrift Christianity Today schreibt, daß „katholische und protestantische Charismatiker (d.h. Zungenredner) zusammenkamen, ..., über ihre ekklesiastischen Unterschiede hinweg, mit dem Ziel die Hälfte der Bevölkerung der Welt bis zum Jahr 2000 zum Bekenntnis Christi als Heiland zu bewegen.“ Das Ziel der charismatischen Bewegung ist die Einheit der Christen. 1980 sagte Philipp Potter, der damalige Sekretär des Weltkirchenrates: „Die charismatische Bewegung kann dem Weltrat der Kirchen helfen bei seinem Ziel: Einheit des Volkes Gottes und Einheit aller Menschen auf der Welt, Vielfalt in der Einheit.“ Professor Samarin, ein Sprachwissenschaftler aus Amerika, hat im Auftrag der US-Regierung dieses Sprachphänomen untersucht. Dabei kam er zu folgenden Schlußfolgerungen: 1. Zungenrede gibt es auch in nichtchristlichen Religionen Afrikas, Asiens, Nord- und Südamerikas, die eindeutig spiritistisch sind. Von Eskimos über Indianer in Südamerika bis zu Schamanen aus Rußland und Afrika ist die Zungenrede verbreitet. Sogar Atheisten und Agnostiker praktzieren die moderne Zungenrede. 2. Diese Art der Zungenrede ist keine echte Sprache. Sie hat weniger Struktur als der primitivste Eingeborenendialekt.
Das Wirken des Heiligen Geistes
Bevor ich auf die Zungenrede im einzelnen eingehe, möchte ich kurz einige Grundsätze über das Wirken des Heiligen Geistes erklären. 1. Der Heilige Geist führt immer zu Wahrheit (Joh. 16,13). Er wird niemals dem widersprechen, was in der Bibel steht, sondern immer zur Bibel hinführen. 2. Der Heilige Geist macht uns deutlich, was Sünde ist. (Joh. 16,8-11) 2. Der Heilige Geist wird denen gegeben, die Gott gehorchen. (Apg. 5,32) 3. Der Heilige Geist wirkt nur dort durch Zeichen und Wunder, wo Gottes Wort im Mittelpunkt steht. (Hebr. 2,1-4; Galater 1,6-9)
Die Sprachengabe in Markus 16,15-18
Dies ist die einzige Stelle in der Bibel, wo Jesus über die Sprachengabe spricht. Im Zusammenhang mit dem Missionsbefehl spricht Jesus davon, daß seine Nachfolger in neuen Sprachen reden würden. (Das griechische Wort für Sprache und Zunge ist dasselbe, nämlich glossa.) Was bedeutet neu? Es gibt 2 griechische Wörter für neu: neos und kainos. Neos bezeichnet etwas, was noch nicht da war und absolut neu ist. Kainos steht für etwas, was im Vergleich zu etwas anderem, also relativ neu ist. In unserem Markustext steht für neu das Wort kainos, was daraufhin deutet, daß hier keine völlig neue Sprachen, die es vorher nicht gab, gemeint sind. Wenn ich z.B. chinesisch lerne, ist es für mich eine neue Sprache, obwohl sie schon lange existiert. Interessant ist auch, daß Jesus selbst nicht in Zungen geredet hat, obwohl er vom Mutterleib an vom Heiligen Geist erfüllt war. Er hat nur in Palästina gewirkt, wo alle Leute aramäisch sprachen.
Die Sprachengabe in Apostelgeschichte 2,1-11
Dies ist die erste Erfüllung der Verheißung Jesu. In Jerusalem waren damals Menschen aus allen Völkern unter dem Himmel zusammen (Vers 5). In den Versen 9-11 werden beispielhaft 15 Nationen erwähnt. Die Jünger waren zusammen und warteten auf die Kraft des Heiligen Geistes, die Jesus ihnen versprochen hatte. In Vers 4 wird beschrieben, was passierte, als sie vom Heiligen Geist erfüllt wurden. Und sie wurden alle mit Heiligem Geist erfüllt und fingen an, in anderen Sprachen zu reden, wie der Geist ihnen gab auszusprechen. (Apg 2,4) Daß die Jünger echte Fremdsprachen gesprochen haben, wird in den Versen 6-8 deutlich: Als aber dieses Geräusch entstand, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt, weil jeder einzelne sie in seiner eigenen Mundart reden hörte. Sie entsetzten sich aber alle und wunderten sich und sagten: Siehe, sind nicht alle diese, die da reden, Galiläer? Und wie hören wir ‹sie›, ein jeder in unserer eigenen Mundart, in der wir geboren sind? Das griechische Wort, das hier mit Mundart übersetzt wird, ist dialektos. Dieses Wort bedeutet Sprache einer Nation oder Region. In diesem Abschnitt kommt 2x das Wort glossa (Sprache, Zunge) (Verse 4.11) und 2x das Wort dialektos vor (Verse 6.8). Diese Worte werden austauschbar verwendet, was unterstreicht, daß es sich hier um echte Fremdsprachen handelt. Aber der Zusammenhang macht dies schon deutlich genug. Hier steht auch, was die Jünger geredet haben:
‹wie› hören wir sie von den großen Taten Gottes in unseren Sprachen reden? (Vers 11)
Das Ziel dieser Verkündigung war eindeutig: sie wollten die unbekehrten Juden und Proselyten (zum Judentum übergetretene Heiden) von der Wahrheit Christi überzeugen. Das Ergebnis war, daß sich 3000 Menschen an einem Tag bekehrten. Übrigens wird hier nicht erwähnt, daß diese 3000 in Sprachen geredet haben. In diesem Abschnitt wird deutlich, warum Jesus im Zusammenhang mit dem Missionsbefehl von der Sprachengabe sprach. Die Sprachengabe sollte dazu dienen, den in Jerusalem versammelten Ausländern möglichst schnell das Evangelium in ihrer Muttersprache zu predigen. Einige glauben, daß die Apostel hier eine unverständliche, ekstatische Sprache gesprochen haben und daß es sich hier um ein Hörwunder handelt. Das kann aber nicht sein, weil geistliche Gaben wie die Sprachengabe nur Gläubigen, nicht aber Ungläubigen gegeben werden. Dieser Abschnitt in Apg. 2 ist der klarste von allen Stellen über die Sprachengabe. Deshalb muß er auch der Schlüssel zum Verständnis aller anderen Texte sein.
Die Sprachengabe in Apostelgeschichte 10, 43-48
Hier geht es um die Heidenmission in Cäsarea, der römischen Provinzhauptstadt von Palästina. Diese Stadt war ein wichtiges Hafen- und Handelszentrum mit vielen Ausländern. Handelt es sich hier um das gleiche Phänomen wie in Apg. 2? Es gibt einige Verbindungen zwischen Apg.2 und 10: 1. Beide Berichte wurden von Lukas aufgeschrieben. 2. In beiden Berichten benutzt Lukas die gleichen Worte für die Sprachengabe. 3. Petrus sagt, das hier dasgleiche wie in Jerusalem passierte: Könnte wohl jemand das Wasser verwehren, daß diese nicht getauft würden, die den Heiligen Geist empfangen haben wie auch wir? (Apg. 10,47) Während ich aber zu reden begann, fiel der Heilige Geist auf sie, so wie auch auf uns im Anfang....Wenn nun Gott ihnen die gleiche Gabe gegeben hat wie auch uns, die wir an den Herrn Jesus Christus geglaubt haben, wer war ich, daß ich hätte Gott wehren können? (Apg. 10,15+17) Es ist hier eindeutig diegleiche Erscheinung wie in Apg. 2. Cornelius hatte viele versammelt. Dabei waren bestimmt auch Diener und Soldaten aus der römischen Armee, die sich aus mehreren Nationalitäten zusammensetzte. Es heißt, daß Kornelius und andere, Gott priesen oder erhoben, als sie in Sprachen redeten? Was bedeutet das? Nun, genau das gleiche wie in Apg. 2, wo die Gläubigen von den großen Taten Gottes redeten. Gott preisen bedeutet nicht, irgendetwas inhaltsloses zu sagen, sondern konkret zu erzählen, was Gott getan hat.
Die Sprachengabe in Apostelgeschichte 19,1-7
Die dritte Erwähnung der Sprachengabe in der Apostelgeschichte findet sich in Ephesus. Und wieder haben wir hier eine Hauptstadt, die zugleich ein führendes Handelszentrum war. Historiker schätzen, daß dort damals ca. 200.000 Menschen lebten. Darunter waren viele Ausländer. Ephesus war das Zentrum des Götzendienstes (Verehrung der Diana und Kaiserkult). Paulus gründete hier eine Gemeinde. Ephesus wird zum neuen Zentrum der Heidenmission. Und wieder benutzt Lukas hier denselben Begriff für die Sprachengabe wie in Apg. 2. Es besteht kein Zweifel daran, daß es sich hier um dasselbe Phänomen handelt. Zusätzlich steht hier noch, daß die Gläubigen weissagten. Hier treten also 2 unterschiedliche Geistesgaben zusammen auf. Weissagen bedeutet immer, das Gott gewissen Inhalte vermitteln will. Wahrscheinlich haben die Gläubigen das, was Gott ihnen offenbart hat, den Menschen in ihrer Muttersprache weitergegeben. Das Fazit bis hierher ist, daß die Apostelgeschichte keine unverständliche Zungenrede kennt. Immer waren es Sprachen, die dazu dienten, anderen Menschen das Evangelium in ihrer Muttersprache zu predigen. Außerdem gibt es in der Apostelgeschichte Bekehrungen, bei denen nichts von der Sprachengabe berichtet wird (Apg. 2,41; 8,38.39; 9,18; 16,15; 16,33).
Paulus und Lukas
Paulus ist der einzige Apostel der in seinen Briefen die Sprachengabe erwähnt. Das spricht dafür, daß ihr damals keine überragende Bedeutung eingeräumt wurde. Die Kapitel 12-14 im 1. Korinterbrief beinhalten einen zusammenhängenden Gedankengang. Paulus schafft erst eine Grundlage in den Kapiteln 12+13, bevor er das große Problem in Kapitel 14, nämlich die Sprachengabe anpackt. Das bedeutet, daß man zum Verständnis von Kapitel 14 unbedingt Apg. 2 und 1. Kor. 12+13 heranziehen muß. Ich möchte hier zunächst auf die Beziehung zwischen Apg.2 und 1. Kor. 14 eingehen. Paulus und Lukas waren enge Mitarbeiter. Lukas, der Schreiber der Apostelgeschichte war sozusagen das geistliche Kind von Paulus, dem Schreiber der Korintherbriefe (Kol. 4,14; 2.Tim. 4,11; Phlm 24) Die Gemeinde Korinth wurde von Paulus und Silas gegründet. Silas stammte aus der Jerusalemer Gemeinde (Apg.15,22.27.40) und war mit Sicherheit gut über der dortigen Ereignisse zu Pfingsten informiert. Schon deshalb besteht ein Beziehung zwischen den Ereignissen in Jerusalem und Korinth. Lukas begleitete Paulus auf vielen seiner Reisen, was immer dann deutlich wird, wenn er in der Apostelgeschichte von wir spricht. So ging Lukas auch mit Paulus nach Jerusalem (Apg. 21,15). Außerdem war Lukas während der 2-jähigen Gefangenschaft des Paulus in Cäsarea auch in dieser Stadt. Dort wohnte auch Philippus, der Evangelist, der das Pfingsterlebnis auch mit erlebt hatte. Lukas und Paulus hatten schon in seinem Haus gewohnt (Apg. 21,8). Als Historiker, der die Geschichten der ersten Gemeinden (u.a. das Erlebnis mit dem Kämmer aus Äthiopien, bei dem Philippus ja eine Hauptperson war (Apg. 8,26ff.)) sorgsam zusammengetragen hat, hat er sich natürlich auch von Philippus alles auf das genaueste erzählen lassen. Lukas begleitete Paulus dann auch auf seiner Abführung nach Rom, wo sie noch einmal 2 Jahre zusammen waren. Lukas und Paulus waren beide auf das genaueste über die Sprachengabe zu Pfingsten informiert. Es ist undenkbar, daß sie mit dem gleichen Begriff etwas grundsätzlich anderes meinen. Hätte Paulus etwas so grundlegend anderes unter Sprachengabe verstanden, hätte er dies mit Sicherheit gesagt. Aber so eine Erklärung fehlt im 1. Korintherbrief. Paulus wußte ja auch, daß seine Briefe abgeschrieben wurden und weite Verbreitung fanden. Aber er ist davon ausgegangen, daß seine Leser genau wissen, was mit der Sprachengabe gemeint ist. Bedeutsam ist auch, dass Lukas die Apostelgeschichte erst Jahre nach der Verfassung des 1. Korinterbriefes schrieb. Somit stellt der Bericht der Sprachengabe zu Pfingsten in Apg. 2 eine Erklärung der Problematik in Korinth.
Die Gemeinde in Korinth
Korinth war, wie auch alle anderen Städte, in denen die Sprachengabe vorkam, eine Hauptstadt und ein wichtiges Handelszentrum mit vielen Ausländern. Wenn wir verstehen wollen, was Paulus den Korinthern sagen will, müssen wir außerdem wissen, in welchem Zustand sich diese Gemeinde befand. Um es kurz zu sagen: die Gemeinde befand sich im Chaos. Paulus muß sie zurechtweisen und tadeln. Er spricht in seinem Brief folgende Probleme an: - Spaltungen (1. Kor. 1,10-16) - Unzucht (1. Kor. 5,1-13) - Rechtsstreitigkeiten zwischen Brüdern vor weltlichen Gerichten (1. Kor. 6,1-8) - Verwirrung über Ehe und Ehelosigkeit (1. Kor. 7,1-40) - Verwirrung über das Essen von Götzenopferfleisch (1. Kor. 8,1ff.) - Zweifel an der Auferstehung Jesu und Taufe für die Toten (1. Kor. 15,1-32) In den Kapiteln 11-14 steht der ordentliche Ablauf der Gemeindeversammlungen im Vordergrund. Dabei ging es besonders um: - Rolle und Kleidung der Frau in den Zusammenkünften (1. Kor. 11,2-16; 1. Kor. 14,33-35) - Unordnung beim Abendmahl (1. Kor. 11,17-34) - Unkenntnis über das Wesen und den Gebrauch von geistlichen Gaben (1. Kor. 12-14) Das Grundanliegen von Paulus war, das die Gemeindeversammlungen von Ordnung und Liebe geprägt sind. Die Gemeinde in Korinth war mit Sicherheit keine nachahmenswerte Gemeinde. Das ist sehr wichtig zum Verständnis von 1. Kor. 14. Die Gemeinde wird getadelt und zurechtgewiesen, weil die Unordnung durch den falschen Gebrauch der Sprachengabe einen Höhepunkt erreicht hatte.
Die Geistesgaben in 1. Kor. 12+13
In diesen Kapiteln baut Paulus langsam auf und schafft die Grundlagen für das, was er in 1. Kor. 14 sagen möchte. Paulus erklärt hier das Wesen der geistlichen Gaben. Dabei stellt er folgendes heraus: Geistliche Gaben sind ganz unterschiedlich verteilt, wie die Funktionen in einem Körper. Dabei sind alle Gaben wichtig. Einige Korinther haben sich selbst erhoben, weil sie meinten, wichtigere Gaben zu haben, als andere. Paulus räumt damit auf. Paulus hat in Kapitel 12 zwei Aufzählungen der geistlichen Gaben. Dabei fällt auf, daß die Sprachengabe immer am Schluß steht. Wohl deshalb, weil die Korinther sie als die größte Gabe bezeichneten. In Römer 12 und Epheser 4 finden wir 2 andere Aufzählungen von geistlichen Gaben. Die Sprachengabe wird dort überhaupt nicht genannt. In den Versen 29 und 30 stellt Paulus dann Fragen: Haben alle diese Gaben? Die Antwort ist eindeutig NEIN, denn das hat Paulus ja vorher deutlich gemacht: „Wenn aber alle Glieder ein Glied wären, wo bliebe dann der Leib?“(Vers 19) Der Körper besteht nicht nur aus Augen, Händen oder Zungen. Deshalb fragt Paulus ja auch: „Reden alle in Zungen? Können alle sie auslegen?“ Die Antwort bleibt NEIN! Hier haben wir schon einen Widerspruch zur Anwendung der modernen Zungenrede in charismatischen Bewegung. Es wird gesagt, jede soll in Zungen reden. Aber das ist unbiblisch. Paulus macht hier noch auf etwas anderes aufmerksam: Der Heilige Geist verteilt die Gaben, wie er will (Vers 11). Geistliche Gaben sind nicht erlernbar, sie werden vom Heiligen Geist auf übernatürliche Weise verteilt. Und hier besteht wieder ein Gegensatz zur Praxis in vielen charismatischen Gemeinden, wo man die Zungenrede regelrecht erlernen kann. Oft geschieht das durch das häufe Wiederholen kurzer Ausrufe wie Halleluja Jesus, Ich preise Dich usw. Diese Art zu beten war auch bei den Heiden gut bekannt. Was sagt Jesus dazu? „Wenn ihr aber betet, sollt ihr nicht plappern wie die von den Nationen; denn sie meinen, daß sie um ihres vielen Redens willen erhört werden. Seid ihnen nun nicht gleich! Denn euer Vater weiß, was ihr benötigt, ehe ihr ihn bittet.“ (Mt 6,7+8) Und Paulus spricht hier noch einen Grundsatz an, nämlich daß die geistlichen Gaben nicht zur eigenen Auferbauung, sondern zur Auferbauung der Gemeinde da sind. In Vers 7 steht: „Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes zum Nutzen gegeben.“ Zu wessen Nutzen? Ganz klar, zum Nutzen der Gemeinde. Zwei weitere biblische Aussagen bestätigen das: Und er hat die einen als Apostel gegeben und andere als Propheten, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer, zur Ausrüstung der Heiligen für das Werk des Dienstes, für die Erbauung des Leibes Christi, bis wir alle hingelangen zur Einheit des Glaubens und der Erkenntnis des Sohnes Gottes, zur vollen Mannesreife, zum Vollmaß des Wuchses der Fülle Christi. Denn wir sollen nicht mehr Unmündige sein, hin- und hergeworfen und umhergetrieben von jedem Wind der Lehre durch die Betrügerei der Menschen, durch ‹ihre› Verschlagenheit zu listig ersonnenem Irrtum, damit wir nicht mehr Unmündige sind. (Eph. 4,11-14) Wie jeder eine Gnadengabe empfangen hat, so dient damit einander als gute Verwalter der verschiedenartigen Gnade Gottes! (1.Petr 4,10) Ohne Zweifel, geistliche Gaben dienen nicht der eigenen Auferbauung, sondern immer der Erbauung der Gemeinde. Das ist auch die Gesinnung Jesu: Nicht das Ich steht im Mittelpunkt, sondern das Wohl des anderen. Und weil dieser Gedanke für Paulus so wichtig ist, widmet er das ganze Kapitel 13 dieser selbstlosen Liebe, die die Grundlage jeder geistlichen Gabe ist. Er schreibt über diese Liebe: „... sie sucht nicht das Ihre...“ Damit unterstreicht er den Gedanken, daß geistliche Gaben immer der Gemeinde dienen müssen. Dieses Prinzip müssen wir unbedingt in 1. Kor. 14 beachten. Denn wenn die Sprachengabe zum Dienst für die Gemeinde da ist, dann kann es kein ekstatisches Reden sein, das weder der Redner noch der Zuhörer versteht. Was Paulus bis hier über Geistesgaben sagt, spricht eindeutig dafür, daß es sich bei der Sprachengabe um das übernatürliche Reden von echten Fremdsprachen handelt. In diesen beiden Kapiteln hat Paulus also die Grundlage gelegt für seine Behandlung des Problems in 1. Kor. 14. Ich möchte die Grundsätze, die Paulus hier aufgestellt hat, noch einmal kurz zusammenfassen, weil sie so wichtig sind: 1. Geistliche Gaben werden vom Heiligen Geist ganz unterschiedlich verteilt, d.h. nicht alle haben die gleiche Gabe. 2. Geistliche Gaben dienen der Auferbauung der Gemeinde und nicht der Selbstauferbauung. 3. Die Liebe, die nicht das Ihre sucht, ist die Grundlage aller geistlichen Gaben.
Grundsätzliches zu 1. Korinther 14
Dieses Kapitel ist die schwierigste Stelle von allen und wird am häufigsten zitiert, um zu beweisen, daß die biblische Sprachengabe ein ekstatisches, unverständliches Reden ist. Aber es widerspricht einer gesunden Bibelauslegung, die Aussagen von 1. Kor. 14 aus ihrem Gesamtzusammenhang zu reißen. Wir haben bisher gesehen, daß eine klare Verbindung zwischen Apg. 2 und 1. Kor. 14 besteht. Diese Verbindung müssen wir berücksichtigen. Es ist wichtig, daran zu denken, daß Paulus die Gemeinde tadelt und zurechtweist, sie aber nicht lobt. Paulus schreibt, um Ordnung in ihren durcheinander geratenen Gottesdienst zu bringen. In 1. Kor. 14 vergleicht Paulus die Sprachengabe mit der Gabe der Prophetie, wobei er der Prophetie eindeutig den Vorrang gibt. Was ging dort in Korinth vor sich? Die Gläubigen hatten geistliche Gaben bekommen, einige auch die Sprachengabe. Sie konnten also plötzlich in Sprachen reden, die sie vorher nicht beherrschten. Darüber wurden sie so stolz, daß sie im Gottesdeinst laut in dieser Sprache redeten und beteten, ohne daß jemand da war, der diese verstehen konnte. Sie wollten damit ihr Geisterfülltsein und ihre Überlegenheit anderen gegenüber demonstrieren. Das war ein falscher Gebrauch einer richtigen Gabe. Das Ergebnis war ein großes Durcheinander im Gottesdienst. Vor diesem Hintergrund läßt sich 1. Kor. 14 verstehen. Wie gesagt, dieses Kapitel ist sehr schwierig. Es besteht aus vielen klaren Aussagen, die man nur in eine Richtung auslegen kann. Daneben stehen Aussagen, die so und so ausgelegt werden können. Wir müssen diese uneindeutigen Aussagen also so verstehen, daß sie mit den klaren Stellen im gleichen Kapitel, in den Kapiteln davor und in der Apostelgeschichte harmonieren. 1. Kor. 14 läßt sich in zwei Hauptabschnitte einteilen. Der erste (Verse 1-25) vergleichen die Sprachengabe mit der Gabe der Weissagung. Der zweite (Verse 26-40) beschäftigt sich mit der Ordnung im Gottesdienst.
Erster Hauptabschnitt: 1. Kor. 14,1-25
Das griechsiche Wort glossa, das mit Sprache oder Zunge übersetzt werden kann, kommt in 1. Kor. 14 17 Mal vor. Es ist das gleiche Wort wie in der Apostelgeschichte. Es besteht also sprachliche Übereinstimmung zwischen allen neutestamentlichen Abschnitten, die das Thema Sprachengabe behandeln. Vers 1: Strebt nach der Liebe; eifert aber nach den geistlichen ‹Gaben›, besonders aber, daß ihr weissagt! Paulus betont noch einmal die Wichtigkeit der Liebe und die Vorrangstellung der Gabe der Weissagung. Vers 2: Denn wer in einer Sprache redet, redet nicht zu Menschen, sondern zu Gott; denn niemand versteht es, im Geist aber redet er Geheimnisse. Das Wort „denn“ verbindet diesen Vers mit Vers 1. Paulus baut hier einen Gegensatz auf. Vers 1 ist eine positive Ermahnung. So soll es sein. In Vers 2 schreibt er, wie es nicht sein soll. Wer in einer Fremdsprache redet, ohne daß einer der Anwesenden es versteht, der redet nicht zu Menschen, sondern allein zu Gott, der ja alle Sprachen versteht. Es heißt, er redet im Geist von Geheimnissen. „Im Geist“ kann entweder „in seinem Verstand“ oder „unter dem Einfluß des Heiligen Geistes“ bedeuten. Der griechische Text läßt beide Möglichkeiten zu. Was sind Geheimnisse? Dieses Wort wird von Paulus sehr häufig verwendet (z.B. 1. Kor 2,1) und meint einfach das Evangelium. Es ist also ein intelligentes und inhaltsreiches, aber kein ekstatisches, unverständliches Reden. Ziel der Sprachengabe ist also auch nach diesem Vers die Verkündigung des Evangeliums. Vers 3: Wer aber weissagt, redet zu den Menschen ‹zur› Erbauung und Ermahnung und Tröstung. Hier schreibt Paulus wieder wie es sein soll. Es geht um Erbauung, Ermahnung und Tröstung. Paulus stellt die richtige Verwendung der Gabe der Weissagung der falschen Verwendung der Sprachengabe in Vers 2 gegenüber. Er stellt die Frage in den Raum: Wie kann ich der Gemeinde am besten dienen? Ein Reden in Fremdsprachen, die keiner der Anwesenden spricht, hilft hier nicht weiter.
Vers 4a: Wer in einer Sprache redet, erbaut sich selbst; So soll es nicht sein. Paulus stellt hier keine allgemeingültige Aussage über die richtige Verwendung der Sprachengabe auf. Er beschreibt einfach den falschen Gebrauch der Sprachengabe in Korinth. Denn dort haben die Sprachenredner gesprochen, um sich selbst als besonders geisterfüllt darzustellen. Aber Paulus hat ja in Kap. 12+13 eindeutig gesagt, das die geistlichen Gaben nicht für die eigene Erbauung da sind. Dieser kleine Teilvers wird oft zitiert, um die moderne Zungenrede zu rechtfertigen, die ja der eigenen Erbauung dienen soll. Nur widerspricht diese Ansicht allem, was die Bibel über geistliche Gaben sagt. Vers 4b: wer aber weissagt, erbaut die Gemeinde. So soll es sein. Dieser ständige Wechsel ist ein literarisches Mittel, dessen sich Paulus hier bedient. Es wird antithetischer Parallelismus genannt und findet sich besonders in der hebräischen Literatur. Vers 5: Ich möchte aber, daß ihr alle in Sprachen redet, mehr aber ‹noch›, daß ihr weissagt. Wer aber weissagt, ist größer, als wer in Sprachen redet, es sei denn, daß er es auslegt, damit die Gemeinde Erbauung empfange. Wenn wir verstehen wollen, was Paulus hier sagt, dürfen wir nicht das über den Haufen werfen, was Paulus in Kap. 12+13 deutlich gemacht hat. Wenn der ganze Leib Zunge wäre, welch ein schreckliches Bild. Wir wissen also was Paulus hier nicht meint. Aber was meint er? Ich vermute Paulus möchte hier folgendes sagen: „Damit ihr mich nicht falsch versteht, ich möchte hier die Sprachengabe nicht herabsetzen“ - deshalb übertreibt Paulus hier, wenn er sagt, er möchte, daß sogar alle diese Gabe hätten -, „aber die prophetische Gabe ist wichtiger“. Deutlich ist hier auch das Grundanliegen des Paulus: die Gemeinde muß erbaut werden. Und das geschieht nicht, wenn ein Anwesender eine Sprache spricht, die keiner versteht, es sei denn, es gibt eine Übersetzung. Bei der Gabe der Übersetzung geht es um die Übersetzung einer echten Sprache. Es geht nicht darum, daß irgend jemand eine Botschaft von Gott erhält, ekstatische Laute ausstößt und ein anderer die Botschaft auslegt. Denn das ist nicht nachprüfbar. Es gibt Versuche, wo verschiedenen angeblichen Auslegern dieselbe „Zungenrede“ vorgelegt wurde. Jeder gab eine andere Deutung. Die Bibel fordert uns auf, die Geister zu überprüfen. Deshalb arbeitet der Heilige Geist immer so, daß wir sein Wirken anhand der Bibel überprüfen können. Der Teufel hat daran kein Interesse. Vers 6: Jetzt aber, Brüder, wenn ich zu euch komme und in Sprachen rede, was werde ich euch nützen, wenn ich nicht zu euch rede in Offenbarung oder in Erkenntnis oder in Weissagung oder in Lehre? Während die Verse 1-5 oft zugunsten der modernen, unverständlichen Zungenrede zitiert werden (wenn auch oft nur zur Hälfte), werden die Verse 6-12 meistens ausgelassen. Kein Wunder, denn sie sagen eindeutig, daß die Sprachengabe ein verständliches Reden sein muß. Paulus sagt also: Was nützt mein Sprachenreden, wenn ich nicht in Worten der Offenbarung, Erkenntnis, Weissagung oder Lehre zu euch spreche? Wenn die Sprachengabe nicht der Verständigung dient, wie soll sie der Gemeinde dann nützen? Die Sprachengabe ist zum Nutzen der Gemeinde bestimmt und nicht zum Nutzen für den, der in Sprachen redet, denn Paulus fragt: was werde ich euch nützen? Dieser Vers ist so klar und treffend, daß er jedesmal beim Thema der Sprachengabe zitiert werden müßte. Warum wird er in solches Schweigen gehüllt? Verse 7-9: Doch auch die tönenden leblosen Dinge, Flöte oder Harfe, wenn sie den Tönen keinen Unterschied geben, wie wird man erkennen, was geflötet oder geharft wird? Denn auch wenn die Posaune einen undeutlichen Ton gibt, wer wird sich zum Kampf rüsten? So auch ihr, wenn ihr durch die Sprache nicht eine verständliche Rede gebt, wie soll man erkennen, was geredet wird? Denn ihr werdet in den Wind reden. Musikinstrumente, ob Flöte oder Harfe, können eine geordnete Abfolge unterschiedlicher Töne hervorbringen, d.h. eine erkennbare Melodie, die das Herz eines Menschen ansprechen kann. Planlose Töne bdeuten nichts. Ein Soldat muß erkennen, ob die Posaune zum Vormarsch oder zum Rückzug bläst, wenn sie ihm von Nutzen sein soll. Es geht hier also um Verständlichkeit oder Unverständlichkeit. Was kann an der Sprachengabe gut sein, wenn keiner versteht, was gesagt wird. Sie dient nicht dem ihr zugedachten Zweck. Das Reden einer Sprache erreicht nur dann ihren Zweck, wenn es verstanden wird. Vers 9 könnte da nicht deutlicher werden. Die Sprache muß eine verständliche Rede sein! Verse 10+11: Es gibt zum Beispiel so viele Arten von Sprachen in der Welt, und nichts ist ohne Sprache. Wenn ich nun die Bedeutung er Sprache nicht kenne, so werde ich dem Redenden ein Barbar sein und der Redende für mich ein Barbar. Es gibt so viele Sprachen. Alle haben ihre Bedeutung. Wenn aber der Redende eine Sprache spricht, die der Hörende nicht versteht, so ist einer für den anderen ein Barbar. Die Illustration des Paulus verdeutlicht, daß keine sinnvolle Kommunikation möglich ist, wenn einer in einer Sprache spricht, die der Hörer nicht versteht. Paulus verdammt nicht die Sprachengabe, doch weist er auf auf die Grenzen dieser Gabe hin, wenn sie nicht verstanden wird und daher nicht dem ihr zugedachten Ziel des Gemeindeaufbaus dient. Verse 12+13: So auch ihr, da ihr nach geistlichen Gaben eifert, so strebt danach, daß ihr überreich seid zur Erbauung der Gemeinde. Darum, wer in einer Sprache redet, bete, daß er ‹es auch› auslege! Paulus läßt auch hier keinen Zweifel. Nicht die eigene Erbauung steht im Mittelpunkt, sondern die Erbauung der Gemeinde. Deshalb, wenn jemand in der Gemeinde in Sprachen redet, soll er beten, daß er selbst oder ein anderer (V. 27+28) es auch übersetzen kann. Verse 12+13 beschreiben wieder, wie es sein soll. Vers 14: Denn wenn ich in einer Sprache bete, so betet mein Geist, aber mein Verstand ist fruchtleer. Hier beschreibt Paulus wieder, wie es nicht sein soll. Er schreibt hier: Angenommen, ich bete ein Gebet in einer Fremdsprache, ohne daß es jemand versteht, so bringt das, was er sagt, keine Frucht. Denn Frucht bringen kann es nur, wenn ich jemanden damit weiterhelfen kann. Offensichtlich ist aber dieser Mißstand in Korinth aufgetreten und Paulus tadelt ihn. Um zu behaupten, daß Paulus uns hiermit ermutigen möchte, beim Beten unseren Verstand auszuschalten, muß man diesen Vers schon total aus seinem Zusammenhang reißen. Verse 15-17: Was ist nun? Ich will beten mit dem Geist, aber ich will auch beten mit dem Verstand; ich will lobsingen mit dem Geist, aber ich will auch lobsingen mit dem Verstand. Denn wenn du mit dem Geist preist, wie soll der, welcher die Stelle des Unkundigen einnimmt, das Amen sprechen zu deiner Danksagung, da er ja nicht weiß, was du sagst? Denn du sagst wohl gut Dank, aber der andere wird nicht erbaut. Was bedeutet es, im Geist zu beten? Auf jeden Fall bedeutet es nicht, beim Beten den Verstand auszuschalten. Das ist heidnisches New-Age-Gedankengut. „Im Geist“ ist hier am besten mit „durch den Heiligen Geist“ zu verstehen. Wir kennen die Situation in Korinth nicht genau. Es ist, als ob wir bei einem Telefongespräch zuhören, dabei nur die eine Seite hören und von dem Gesagten, auf das schließen müssen, was der andere gesagt oder gefragt hat. Vielleicht hat jemand eingewendet: „Aber der Heilige Geist soll uns doch in unserem Gebetsleben helfen.“ Ja, antwortet Paulus, ich will beten mit dem Heiligen Geist, aber dabei auch mit dem Verstand, nämlich so, daß mein Verstand Frucht bringt, weil andere es verstehen und erbaut werden. Ebenso wollte Paulus auch in einer Sprache singen, aber das in der Gemeinde nur dann, wenn andere es verstehen. Auf jeden Fall wird hier deutlich, daß der Betende nicht seinen Verstand ausschaltet, denn er sagt „wohl gut Dank.“ (V. 9) Das kann man nur, wenn man etwas zu danken hat, das man in intelligente Worte fassen kann. Mit dem Geist und mit dem Verstand beten, sind also keine Gegensätze, sondern gehören zusammen, im Sinne von „nicht nur mit dem Heiligen Geist, sondern auch mit dem Verstand.“ Ich weiß das diese Passage schwer verständlich ist und für sich genommen i.S. der modernen unverständlichen Zungenrede ausgelegt werden kann. Aber sie muß im Einklang mit allen anderen Aussagen des Korintherbriefes und der Apostelgeschichte verstanden werden, denn entweder meint Paulus das eine oder aber das andere. Verse 18+19: Ich danke Gott, ich rede mehr in Sprachen als ihr alle. Aber in der Gemeinde will ich ‹lieber› fünf Worte mit meinem Verstand reden, damit ich auch andere unterweise, als zehntausend Worte in einer Sprache. Paulus besaß also selbst die Sprachengabe. Er war sehr weit gereist und brauchte diese Gabe mehr als andere in seinem Dienst unter den vielen Sprachgruppen, unter denen er arbeitete. Was er sagt, ist sehr deutlich: In der Gemeinde rede ich lieber 5 verständliche Worte, die andere erbauen, als 10.000 unverständliche Worte, von denen keiner etwas hat. Auf den Punkt gebracht, sagt Paulus zu den Korinthern: Seid in der Gemeinde still, wenn euch keiner versteht! Vers 20: Brüder, seid nicht Kinder am Verstand, sondern an der Bosheit seid Unmündige, am Verstand aber seid Erwachsene! Paulus geht hart mit den Korinthern ins Gericht. Ihre Gewohnheit, die Sprachengabe durcheinander im Gottesdienst auszuüben, wenn es niemand versteht, nennt er kindisch und unreif. Vers 21: Es steht im Gesetz geschrieben: »Ich will durch Leute mit fremder Sprache und durch Lippen Fremder zu diesem Volk reden, und auch so werden sie nicht auf mich hören, spricht der Herr.« Dies ist ein Zitat aus Jesaja 28,11. Hier geht es um die Untreue Israels. Der Zusammenhang in Jesaja macht deutlich, daß die Menschen, durch die Gott in einer fremden Sprache zu seinem Volk reden will, die Assyrer sind. Dieses Abschnitt ist im Zusammenhang mit 1. Kor. 14 schwer zu verstehen. Aber eins ist klar: hier ist von einer echten Fremdsprache die Rede. Verse 22-25: Daher sind die Sprachen zu einem Zeichen, nicht für die Glaubenden, sondern für die Ungläubigen; die Weissagung aber nicht für die Ungläubigen, sondern für die Glaubenden. Wenn nun die ganze Gemeinde zusammenkommt und alle in Sprachen reden, und es kommen Unkundige oder Ungläubige herein, werden sie nicht sagen, daß ihr von Sinnen seid? Wenn aber alle weissagen und irgendein Ungläubiger oder Unkundiger kommt herein, so wird er von allen überführt, von allen beurteilt; das Verborgene seines Herzens wird offenbar, und so wird er auf sein Angesicht fallen und wird Gott anbeten und verkündigen, daß Gott wirklich unter euch ist. Die Sprachengabe, sagt Paulus, sind ein Zeichen für die Ungläubigen. Aber sie kann es nur dann sein, wenn jemand ihnen das Evangelium auf verständliche Weise bringt. Die Sprachengabe wurde in Korinth aber so chaotisch eingesetzt, daß mehrere Fremdsprachen auf einmal geredet wurden, so daß ein Ungläubiger glauben mußte, die Leute seien von Sinnen. Das unterstreicht die Aussage, daß es sich hier auf keinen Fall um ekstatisches unverständliches Zungenreden handelte. Denn welcher Gläubige läßt sich schon davon überzeugen? Außerdem, wenn die Sprachengabe kein Zeichen für die Gläubigen ist, kann sie auch nicht zur Selbsterbauung sein. Die Gabe der Weissagung ist für die Gläubigen da. Damit soll die Gemeinde gestärkt werden. Aber auch Ungläubige sollen davon profitieren. Paulus zeigt hier wieder den Gegensatz der falsch gebrauchten Sprachengabe und der richtig gebrauchten Gabe der Weissagung.
Zweiter Hauptabschnitt: 1. Kor. 14,26-40
Verse 26-28: Was ist nun, Brüder? Wenn ihr zusammenkommt, so hat jeder einen Psalm, hat eine Lehre, hat eine Offenbarung, hat eine Sprache‹nrede›, hat eine Auslegung; alles geschehe zur Erbauung. Wenn nun jemand in einer Sprache redet, ‹so sei es› zu zweien oder höchstens zu dritt und nacheinander, und einer lege aus. Wenn aber kein Ausleger da ist, so schweige er in der Gemeinde, rede aber für sich und für Gott. Hier ist wieder der Grundsatz: Alles geschehe zur Erbauung, nicht des Einzelnen, sondern der Gemeinde, denn es geht ja hier um die Zusammenkunft der Gläubigen.. Wenn einige etwas in einer Fremdsprache sagen möchten, dann sollen sie es nacheinander tun und das auch nur, wenn das Gesagte übersetzt wird. Wenn kein Übersetzer da ist, sollen die Redner in der Gemeinde schweigen und für sich und für Gott sprechen? Denn warum sollte er nicht im persönlichen Gebet in einer Fremdsprache zu Gott reden, der ja alle Sprachen versteht. Schließlich beherrscht er ja die Fremdsprache so gut wie seine Muttersprache, denn Gottes Gaben sind vollkommen. In den Versen 29-33a fordert Paulus die gleiche Ordnung für die Propheten. „Denn Gott ist nicht ‹ein Gott› der Unordnung, sondern des Friedens“ In den Versen 33b-36 geht Paulus auf die Rolle der Frau im Gottesdienst ein. Offensichtlich waren die Frauen bei der Unordnung im Gottesdienst besonders beteiligt. Verse 37+38: Wenn jemand meint, ein Prophet oder ‹sonst› ein Geistbegabter zu sein, so erkenne er, daß das, was ich euch schreibe, ein Gebot des Herrn ist. Wenn aber jemand das nicht erkennt, so wird er auch ‹von Gott› nicht erkannt. Paulus sagt, daß diese Grundsätze von Gott sind. Wer sie mißachtet, mißachtet Gott und kann von IHM nicht gesegnet werden. Der Heilige Geist wirkt keine Wunder, wo diese Grundsätze nicht befolgt werden, denn sonst würde er ja diese Übertretungen von Gottes Anweisungen noch fördern. Verse 39+40: Daher, Brüder, eifert danach, zu weissagen, und hindert das Reden in Sprachen nicht! Alles aber geschehe anständig und in Ordnung. Die Sprachengabe soll nicht überbewertet, aber auch nicht abgewertet werden. Paulus spricht sich gegen beides aus. Und wieder betont Paulus hier die Ordnung. Und das ist ja gerade das Hauptanliegen des ganzen Kapitels. Wie kommt es, daß charismatische Christen glauben, das moderne, ekstatische Zungenreden, das in ihren Gottesdiensten von allen gleichzeitig praktiziert, entspricht den Grundsätzen der Bibel? Im Gegenteil, es wiederspricht allen Grundsätzen, die Paulus dazu aufgestellt hat.
Schlußfolgerung
Es gibt einige Verse in 1. Korinther 14, die man für und gegen das ekstatische, unverständliche Zungenreden auslegen kann. Andere Aussagen sprechen unmißverständlich dafür, daß das Phänomen in Korinth mit dem in Jerusalem identisch ist, d.h. daß es sich in Korinth um das übernatürliche Sprechen echter Fremdsprachen handelte, das einfach falsch eingesetzt wurde. Es ist das grundlegende protestantische Auslegungsprinzip, daß uneindeutige Aussagen im Licht der eindeutigen verstanden werden müssen. Wir dürfen niemals den Fehler machen, Texte aus ihrem Zusammenhang zu reißen, um unsere eigene vorgefaßte Ansicht zu unterstützen. Das wird leider in charismatischen Büchern zur Zungenrede getan. Betrachtet man alle Stellen zur Sprachengabe, dann bleibt nur eine vernünftige Schlußfolgerung: Die Sprachengabe in Korinth und Jerusalem sind identisch. In beiden Fällen handelt es sich um das übernatürliche Reden von Fremdsprachen, die der Redner vorher nicht beherrschte. Dies ist der Standpunkt, der von den großen Reformatoren vertreten wurde, und auch noch heute von sehr vielen Christen vertreten wird. In Offenbarung 13,13 steht eine interessante Aussage über eine große endzeitliche Verführung: Und es tut große Zeichen, daß es selbst Feuer vom Himmel vor den Menschen auf die Erde herabkommen läßt. Aus Apostelgeschichte 2 wissen wir, daß Feuer ein Symbol für den Heiligen Geist ist. In Joel 2 wird uns von einer besonderen Geistesausgießung vor der Wiederkunft berichtet. Wenn Jesus uns vor falschen Christussen warnt, wäre es dann nicht auch möglich, daß Satan nicht nur die Wiederkunft, sondern auch die Geistesausgießung vortäuscht? Ja, genau das sagt uns Offb 13,13. Wie können wir die falsche von der echten Geistesausgießung unterscheiden? Wir legen einfach das Kriterium an, daß der Heilige Geist immer zur Wahrheit führt und zum Gehorsam führt (siehe Punkt 3.). Es fällt auf, daß das moderne Zungenreden immer mit vielen Irrlehren zusammenfällt: - Katholische Charismatiker werden nur noch entschlossener in der Verteidigung der katholischen Irrlehren und Praktiken, die zur Reformation geführt haben. Sie stehen fester als andere zur Marien- und Heiligenverehrung, zum Rosenkranz, zur Messe, zur Unfehlbarkeit des Papstes usw. - Auch bei protestantischen Charismatikern und Pfingstlern sind viele Irrlehren zu finden, z.B. - die geheime Entrückung vor dem Auftreten des Antichristen und der Trübsalszeit - heilsgeschichtliche und endzeitliche Bedeutung Israels - Unsterblichkeit der Seele - eine niemals endende Höllenqual - Ablehnung der vollen Gültigkeit der 10 Gebote
Auch wenn meine Worte hart klingen mögen, geht es mir nicht darum, einzelne charismatische Christen zu verurteilen. Ich bin davon überzeugt, daß es aufrichtige Christen in allen Kirchen und Gemeinschaften gibt, die Gott nach ihrem besten Wissen und Gewissen folgen. Sie sind bei Gott angenommen, aber Gott möchte, daß sie sich von ihm weiterführen lassen. Ich möchte hier einfach die Aussagen der Bibel zu diesem Thema in den Mittelpunkt rücken und hoffe, dadurch etwas mehr Klarheit in die Diskussion gebracht zu haben.
Predigten
- Doug Batchelor: Understanding Tongues (Aufnahmedatum unbekannt - englisch), Gesamtdauer: unbekannt, © unbekanntes Jahr by Amazing Facts, Audio (direkt), Video (direkt)

