Nächstenliebe
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Nächstenliebe ist eine zutiefst christliche Tugend. Sie zeichnet sich durch bedingungslose Fürsorge, ohne Ansehen der Person, basiert auf treuer Gottesliebe aus.
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Wer ist mein Nächster?
→ Hauptartikel: Nächster
Der Nächste ist laut dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter [1] derjenige, der wie der Samariter die Bedürfnisse des anderen sieht, seine Leiden mindert und sich seiner annimmt. Um den Nächsten zu sehen, darf man seine Augen nicht vor der Not anderer verschließen, sondern soll sich ihr annehmen (wie es der Samariter im Gegensatz zum Priester und zum Levit tat [1]).
Das Gebot der Nächstenliebe
Im Alten Testament
In der Bibel finden sich sehr viele Verse über die Liebe zum Nächsten. Im Alten Testament gab Gott seinem Volk Israel Regeln an die Hand, wie sie miteinander umgehen sollten.
Die Zehn Gebote
Die Zehn Gebote, die das Verhältnis zwischen Gott und seinem Volk sowie zwischen den Menschen untereinander regeln und schützen, teilen sich in zwei Abschnitte: die Gebote eins bis vier beziehen sich auf Gott, die Gebote fünf bis zehn auf den Mitmenschen. Dort heißt es über den Nächsten:
- 5 "Ehre deinen Vater und deine Mutter, damit deine Tage lange währen in dem Land, das der HERR, dein Gott, dir gibt." [1]
- 6 "Du sollst nicht töten." [1]
- 7 "Du sollst nicht ehebrechen." [1]
- 8 "Du sollst nicht stehlen." [1]
- 9 "Du sollst gegen deinen Nächsten nicht als falscher Zeuge aussagen." [1]
- 10 "Du sollst nicht das Haus deines Nächsten begehren. Du sollst nicht begehren die Frau deines Nächsten, noch seinen Knecht, noch seine Magd, weder sein Rind noch seinen Esel, noch irgendetwas, was deinem Nächsten gehört." [1]
Allen Geboten ist gemeinsam, dass sie die menschlichen Beziehungen bewahren und verbessern wollen. Sie stellen keine Einschränkung, sondern einen Schutz dar; nur mit ihnen ist wahre Freiheit möglich.
Im Neuen Testament
Das größte Gebot
Jesus antwortete auf die Frage eines Gesetzeslehrers, der ihn mit der Frage nach dem wichtigsten Gebot versuchen wollte:
- "'Du sollt den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt.' Dies ist das höchste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: 'Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.'" [1]
Damit nimmt Jesus Bezug auf die Zehn Gebote, die Gott damals dem Volk Israel am Berg Sinai als Grundregeln für den Umgang mit IHM und miteinander gab.
Das königliche Gesetz
Jakobus nennt in seinem Brief die Regel "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." [1] ein "königliches Gesetz", das zu befolgen ist. Er bezieht die Regel auf die Gleichheit der Menschen und mahnt, keinen Unterschied zwischen Reichen und Armen zu machen, da man sonst eine Sünde begeht und vom Gesetz als Übertreter beschuldigt wird [1].
Die goldene Regel
Die "goldene Regel" ist auch außerhalb von christlichen Kreisen als fundamentale Ethik für den Umgang mit anderen bekannt. Sie ist vergleichbar mit dem kategorischen Imperativ von Immanuel Kant[1].
- "Alles nun, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun sollen, das tut ihr ihnen auch! Denn darin besteht das Gesetz und die Propheten." [1]
Wir können also selbst bestimmen, wie unsere Nächsten uns behandeln werden - so, wie wir mit ihnen umgehen!
Feindeshass oder Feindesliebe?
Trotz der so guten Umgangsformen innerhalb des Volkes war es doch ein großer Unterschied zum Umgang mit anderen Völkern. Aus Jesu Worten im folgenden Zitat lässt sich trotz mangelnder Textstellen schließen, dass dem Volk Israel im Alten Testament wohl noch geboten wurde, die Feinde zu hassen. Jesus revidiert in der Bergpredigt viele Sichtweisen und weitet auch die Nächstenliebe auf alle Menschen aus:
- "Ihr habt gehört, dass gesagt ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, und betet für die, die euch verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters seid, der in den Himmeln ist! Denn er lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte. Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, welchen Lohn habt ihr? Tun nicht auch die Zöllner dasselbe? Und wenn ihr allein eure Brüder grüßt, was tut ihr Besonderes? Tun nicht auch die von den Nationen dasselbe? Ihr nun sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist." [1]
Damit weitet er das Konzept der Nächstenliebe auf alle Menschen aus, nicht nur auf die Freunde und Volksgenossen. Alle Menschen, ganz gleich welcher Herkunft, Hautfarbe oder Geschlechts, sind Nächste, um die es sich zu kümmern gilt.
… wie dich selbst
Die Liebe, die der sündige Mensch natürlicherweise für sich selbst hat[1], sein Egoismus, seine Selbstsucht, sollen neu zentriert werden. So, wie jeder sich selbst liebt und für sich selbst sorgt, soll er auch den Anderen in seine Sorge eischließen. Mit Gottes Hilfe kann der Andere immer mehr in den Fokus rücken, mit Hilfe des Heiligen Geistes kann der Mensch geheiligt werden.
Das Vorbild Jesu
Jesus hat in seinem Leben auf Erden die Nächstenliebe so praktiziert, wie seine Nachfolger es auch tun sollten. Er kümmerte sich um die Kranken, heilte ihre Leiden und linderte ihre Schmerzen. Er setzte sich über damals gültige Hierarchien und Regeln hinweg und verkehrte mit Zöllnern genauso wie mit interessierten Schriftgelehrten, mit Fischern wie mit hohen Beamten. Er liebte alle Menschen und zeigte ihnen dies durch seine Aufmerksamkeit, durch seine ermutigenden Worte und durch zahlreiche Heilungen. (siehe z.B. Matthäus 8-9; Markus 5; Lukas 5-8; u.a.)
Doch den größten Liebesbeweis stellt sein stellvertretender Tod am Kreuz dar. Das das Opfer Jesu müssen wir Sünder nicht den zweiten Tod sterben, den wir eigentlich aufgrund unserer Taten verdienen, sondern können Gott um Vergebung und um Reinwaschung unserer Sünden bitten und uns angekommen wissen. Jesus hat den zweiten Tod für uns erlitten, damit diejenigen, die sein Opfer annehmen, nicht sterben müssen. Dies ist der Kern des Erlösungsplans.
Für die Erlösung wichtig
Matthäus schildert eine Szene bei der Wiederkunft Jesu. Zwei Gruppen von Menschen stehen vor dem Thron Gottes, es werden Schafe und Böcke unterschieden. Die Schafe werden vom König gelobt, die Böcke getadelt. Was ist das Kriterium?
- "Dann werden die Gerechten ihm antworten und sagen: Herr, wann sahen wir dich hungrig und speisten dich? Oder durstig und gaben dir zu trinken? Wann aber sahen wir dich als Fremdling und nahmen dich auf? Oder nackt und bekleideten dich? Wann aber sahen wir dich krank oder im Gefängnis und kamen zu dir? Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch, was ihr einem dieser meiner geringsten Brüder getan habt, habt ihr mir getan." [1]
Der König spricht zu ihnen:
- "Kommt her, Gesegnete meines Vaters, erbt das Reich, das euch bereitet ist von Grundlegung der Welt an!" [1]
Die Gruppe der Böcke hat es unterlassen, sich um die Armen, Hungrigen und Schwachen zu kümmern, und erleidet daher die Konsequenz des ewigen Feuers. [1]
Dies ist kein Beispiel für Werksgerechtigkeit, sondern ein Hinweis darauf, dass erlöste Menschen nicht unverändert bleiben können. Ihr Glaube muss sich praktisch äußern, als Konsequenz der Erlösung allein aus Glauben (zur Thematik Rechtfertigung aus Glauben oder Werken siehe auch Römer 3,28 und Jakobus 2,24).

