Hebräisches Jahr
Aus AdvenTiki
Das hebräische Jahr folgte nie, wie in Europa üblich, ausschließlich dem Sonnenjahr. Vielmehr richteten sich die Juden nach dem Lauf des Mondes und nahmen zu bestimmten Zeiten die Sonne zusätzlich zur Berechnung zu Hilfe, um die Monate und Jahre festzulegen.
Das bürgerliche Jahr beginnt im siebten Monat, im Monat Tischri, Mitte September. Das religiöse jüdische Festjahr beginnt jedoch im ersten Monat, Nisan, im März bzw. April [1].
Inhaltsverzeichnis |
Jahresablauf mit Festtagen
In Israel werden im Verlauf des Jahres, das sich aus 12 Monaten zusammensetzt, folgende Fest- und Gedenktage gefeiert [1]:
| Nr. | Monat | Länge in Tagen | Beginn zwischen | und | Erwähnung in der Bibel | Festtage |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Nisan (oder Abib) | 30 | Mitte März | Mitte April | Nehemia 2,1 | 14. Passah; 15.-21. Fest der ungesäuerten Brote |
| 2 | Siw (oder Ijjar) | 29 | Mitte April | Mitte Mai | 1. Könige 6,1 | |
| 3 | Siwan | 30 | Mitte Mai | dem ersten Junidrittel | Ester 8,9 | 6. Schawuot (Wochenfest) |
| 4 | Tammuz | 29 | erstem Junidrittel | Anfang Juli | 9. Fasten wegen Eroberung Jerusalems durch Nebukadnezar | |
| 5 | Ab | 30 | Mitte Juli | Mitte August | 7. wegen Zerstörung des Tempels durch Nebusaradan | |
| 6 | Elul | 29 | Mitte August | Mitte September | ||
| 7 | Tischri (oder Etanim) | 30 | dem ersten Septemberdrittel | Anfang Oktober | 1. Könige 8,2, 2. Chronik 5,3 | 1./2. Rosch ha-Schana (Neujahrsfest); 10. Jom Kippur (Versöhnungstag); 15.-21. Sukkot (Laubhüttenfest); 22. heilige Versammlung |
| 8 | Bul (oder Marcheschwan) | 29 (30 in übermäßigen Jahren) | Anfang Oktober | Anfang November | 1. Könige 6,38 | |
| 9 | Kislew | 30 (29 in verminderten Jahren) | Anfang November | Anfang Dezember | Nehemia 1,1, |Sacharja 7,1 | 25. Chanukka (Tempelweihe) |
| 10 | Tebeth | 29 | Ende November | Mitte Dezember | 10. Fasten wegen Beginn der Belagerung Jerusalems durch Nebukadnezar | |
| 11 | Schevat (oder Sebat) | 30 | letztem Dezemberdrittel | Mitte Januar | Sacharja 1,7 | |
| 12 | Adar | 29 | Anfang Februar | Anfang März | Ester 3,7 | 14./15. Purim |
Tages- und Wocheneinteilung
Ein Tag wurde bei den Israeliten von Sonnenuntergang bis Sonnenuntergang angesehen (vgl. 2. Mose 12,18, 3. Mose 23,32. In der frühen alttestamentlichen Zeit wurde der Tag grob in Abend, Morgen und Mittag eingeteilt; später gab es eine Einteilung in 12 Stunden, beginnend mit Sonnenaufgang (etwa 6 Uhr) bis zum Sonnenuntergang (etwa 18 Uhr). Die 3., 6. und 9. Stunde waren Zeiten des Gebets.
Die Nacht wurde in drei Nachtwachen zu jeweils 4 Stunden aufgeteilt: Abend (18-22 Uhr), Mitternacht (22-2 Uhr) und Hahnenschrei (2-6 Uhr) (vgl. Markus 13,35).
Die Woche besteht aus sieben Tagen, die keinen Namen tragen, sondern mit Ordinalzahlen benannt werden. Nur der siebte Tag, der Ruhetag, trägt den Namen Sabbat.[1]
Jahreszählung
Die jüdische Jahreszählung rechnet ab der Schöpfung der Welt als Ausgangspunkt, die im Jahr 3761 v.u.Z. stattgefunden haben soll. Die Berechnungen hierzu wurden anhand der Genealogien und der Lebensjahre der Patriarchen im alten Testament angestellt. Das Jahr 2008 n. Chr. entspricht damit dem Jahr 5769 nach der Erschaffung der Welt.[1]
Geschichte der Jahreseinteilung in Israel
Im Alten Orient
Im Alten Orient richtete sich das Jahr bei allen Völkern nach dem Mond; nur die Ägypter hatten ein Sonnenjahr. Ursprünglich wurde die Länge des Monats und des Jahres dabei empirisch nach dem "Neulicht", der auftretenden neuen Mondsichel, und den Mondperioden bestimmt. Da dabei jedoch Ungenauigkeiten auftraten, wurde eine definierte Monatslänge von 29 bzw. 30 Tagen eingeführt. Da das Mondjahr aber mit 354 Tagen kürzer ist als das Sonnenjahr, verschoben sich die Monate dieses Systems mit der Zeit durch alle Jahreszeiten, was für Landwirtschaft und religiöses Leben viele Nachteile beinhaltete. Um das Mondjahr an das Sonnenjahr anzugleichen, wurde in Babylonien im 6. Jh. v. Chr. ein Schaltmonat eingeführt, durch den es im Zyklus von acht Jahren drei Schaltjahre gab. Der babylonische Kalender wurde von den Juden in Palästina und Ägypten übernommen [1].
In Alttestamentlicher Zeit
Zur Zeit des alten Testaments wurde ein lunisolarer Kalender verwendet, basiert auf dem Sonnen- und dem Mondjahr. Die Sonne (lat. sol) bestimmte dabei das Jahr (vor allem in seinem für eine agrarische Gesellschaft wichtigen landwirtschaftlichen Rhythmus), der Mond (lat. luna) die Monate. Zusätzlich gab es Schaltmonate, um die Differenz zwischen den 354 Tagen des Mondjahres und den 365 des Sonnenjahres zu überbrücken.
Die Monatsberechnung war am Neumond orientiert, der zusätzlich zum Sabbat als Festtag begangen wurde. Die Propheten kritisierten diese Praxis jedoch (vgl. 2. Könige 4,23, Jesaja 1,13-14, Hosea 2,13, Amos 8,5) [1].
In römischer Zeit
Julius Caesar führte 47 v. Chr. den julianischen Kalender ein, der als Sonnenkalender ein Jahre mit 365 ½ Tagen hatte. Der offizielle judäische Kalender folgte diesem.
Jahresbeginn
In Babylonien wurde das bürgerliche Jahr im Herbst begonnen, das religiöse Festjahr jedoch im Frühling. In Israel begann das bürgerlich-wirtschaftliche Jahr ebenso im Herbst, am 1. des Monats Tischri, also Mitte September.
Der Nisan wurde als der erste Monat gefeiert, der das jüdische Festjahr initiierte (vgl. 2. Mose 12,1-3). Das Passahfest am 14. Tag des Nisan stellte den Jahresanfang dar, der somit im März / April lag.
Quellen
Weblinks
- http://www.zentralratdjuden.de/de/topic/77.html Das jüdische Jahr
- http://www.zentralratdjuden.de/de/topic/75.html Jüdische Feiertage

