Gleichnis vom barmherzigen Samariter
Aus AdvenTiki
Jesus erzählt von ein Mann, der von Jerusalem nach Jericho hinunter ging; er wurde und dort überfallen, ausgeraubt und halbtot am Wegrand liegengelassen.
Ein Priester kam vorbei, ging aber, als er ihn sah, auf der anderen Straßenseite vorüber, ohne ihm zu helfen. Genauso ein Levit, der des Weges kam; als er ihn sah, ging er auf der anderen Seite vorbei.
Ein Samariter schließlich, der auf seiner Reise in der Nähe war, "hatte Erbarmen" mit ihm. Er verarztete ihn, hob ihn auf sein Tier, brachte ihn in eine Herberge und versorgte ihn dort. Als er weiterzog, bezahlte er den Wirt für die weitere Versorgung, und versprach auch, für zusätzliche Kosten aufzukommen.
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Bibelstelle
Das Gleichnis steht in Lukas 10,25-37.
Situation
Biblischer Kontext
Jesus hatte kurz vorher seine siebzig Jünger ausgesandt, damit sie verkündigten, dass das Reich Gottes nahe sei [1]. Diese waren gerade erst zu ihm zurückgekehrt und berichteten, dass es ihnen sehr gut ergangen war. Voller Freude berichteten sie: "Herr, auch die Dämonen sind uns untertan in deinem Namen!" [1]; sie hatten gerade eine sehr motivierende Glaubenserfahrung gemacht. Jesus bestärkte sie, indem er sie glücklich preist dafür, dass sie diese Erfahrungen machen durften, die Königen und Propheten verwehrt blieb [1].
Ein Gesetzeslehrer mit seiner Frage nach dem ewigen Leben ist Anlass zum Erzählen des Gleichnisses.
Danach ziehen Jesus und seine Jünger weiter, und sie kommen in ein 'gewisses Dorf' in Betanien [1], wo sie die beiden gastfreundlichen Schwestern Marta und Maria treffen. Marta war diejenige, die sie in ihr Haus aufnahm, Maria aber "setzte sich auch zu Jesu Füßen und hörte seinem Wort zu" [1]. Da Marta Jesus und seine Jünger bediente, konnte sie nicht so aufmerksam den Lehren Jesu lauschen, und empfand es als ungerecht, dass Maria dies konnte. Als sie sich bei Jesus darüber beschwerte und verlangte, dass Maria ihr helfe, rief Jesus sie zur Ruhe: "Marta, Marta! Du bist besorgt und beunruhigt um viele Dinge; eins aber ist nötig. Maria aber hat das gute Teil erwählt, das nicht von ihr genommen werden wird." [1] Entgegen der Geschäftigkeit, die Marta zeigte, lobte Jesus das aufnahmebereite Herz und die hörende Position, in der Maria sich befand, um von ihm zu lernen.
Mit der Familie von Maria und Marta, die auch ihren Bruder Lazarus einschloss, verband Jesus ab diesem Zeitpunkt eine Freundschaft [1].
Anlass und Zuhörer
Ein Gesetzeslehrer kam zu Jesus und "versuchte ihn" [1] mit der Frage, was man tun müsse, um das ewige Leben zu erben. Jesus erwiderte mit einer Gegenfrage: Er fragte ihn nach dem Inhalt des Gesetzes, woraufhin der Gelehrte erwiderte: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben aus deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deiner ganzen Kraft und mit deinem ganzen Verstand und deinen Nächsten wie dich selbst."[1] Jesus bestätigte die Richtigkeit der Antwort und forderte ihn auf, auch selbst so zu leben, um das ewige Leben zu haben [1]. Aber der Schriftgelehrte fühlte sich angegriffen und wollte sich rechtfertigen: "Und wer ist mein Nächster?"[1], fragte er, als ob er es nicht wüsste. Als Antwort darauf erzählte Jesus das Gleichnis vom barmherzigen Samariter.
Der Gesetzeslehrer und Jesus sind die beiden konversierenden Personen. Aber auch die Jünger hörten die Worte Jesu, da sie vor Auftreten des Gelehrten noch mit Jesus sprachen und in der Nähe waren. [1] Eventuell waren noch mehr Menschen in Jesu Nähe und hörten ihm zu, was aber nicht ausdrücklich erwähnt ist.
Hintergründe
Wie schon so oft vorher suchten die Pharisäer und Schriftgelehrten, etwas zu finden, dass sie gegen Jesus verwenden konnten. Sie waren enttäuscht, dass er den Schriftgelehrten so schnell durchschaute und mit einer Gegenfrage konterte; außerdem verknüpfte er die Frage nach dem Leben ausgerechnet mit dem Gesetz, wovon seine Gegner ihm vorwarfen, er achte das Gesetz nicht. Auch wenn der Anlass der Antwort auf Jesu Frage fragwürdig war, ist doch die Antwort des Gelehrten bemerkenswert: er hatte offenbar begriffen, dass es nicht auf die buchstabengetreue Einhaltung des Gesetzes ging. Der Schriftgelehrte fasste in seiner Antwort das Gesetz in zwei Sätzen zusammen: Liebe Gott! Liebe deinen Mitmenschen! Er integrierte nicht all die Zeremonialgesetze und Traditionen, die vorgeschrieben waren. Das war genau das, was Jesus lehrte! Auch die Pharisäer konnten sich nicht der Einsicht entziehen, dass wirklicher Gehorsam mit der Liebe zu Gott und zu den Mitmenschen zu tun hat. Der Gelehrte spürte seine eigene Schuld, wehrt sich aber dagegen, Buße zu tun. Stattdessen stellt er eine weitere Frage, um seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen: die nach dem Nächsten. Diese Frage war im Judentum damals kontrovers und heiß diskutiert: Einig war man sich darin, dass Heiden und Samariter als Fremde und Feinde galten. Doch bei den Angehörigen des eigenen Volkes gab es auch Standesunterschiede - für einen Pharisäer oder Rabbiner galt jemand aus dem 'unwissenden' Volk nicht als Nächster. [1]
Deutung
Jesus selbst gibt einen Deutungsansatz im Anschluss an das Gleichnis, indem er den Gelehrten fragt, welcher der drei Männer seiner Meinung nach der Nächste des Ausgeraubten gewesen ist. [1] Dieser antwortete richtig: "Der die Barmherzigkeit an ihm übte.", woraufhin Jesus ihn auch selbst zu solchem Handeln aufforderte. [1]
Die "Hirten" Israels, für die stellvertretend ein Priester und ein Levit am Verletzten vorbeizogen, waren weit von ihrer eigentlichen Aufgabe entfernt. Sie hätten dem Mann eigentlich "von Amts wegen" zu Hilfe eilen müssen, ohne Ansehen der Person. Das Risiko, selbst von Räubern überfallen zu werden, oder sich unrein zu machen, war ihnen jedoch zu hoch.
Der Samariter, der ihm half, wusste, dass ihm kein Jude zu Hilfe kommen würde, wäre er selbst einmal in dieser Situation. Er ließ sich auch nicht durch die Gefahr davon abbringen, dem Sterbenden zu helfen, sondern tat seine "Menschenpflicht" und darüber hinaus noch viel mehr, da er auch im Gasthaus sich noch physisch und finanziell um den Verletzen kümmerte.
Der Gelehrte nennt auf Jesu Frage nach dem Nächsten richtig den Samariter, "Der ihm geholfen hat!". Damit ist die Frage nach dem Nächsten klar beantwortet: Der Nächste ist immer der, der gerade unsere Hilfe braucht - unabhängig von Volkszugehörigkeit, Gesellschaftsschicht oder Glauben.
Im weiteren Sinn beschrieb Jesus mit diesem Gleichnis seine eigene Aufgabe auf Erden. Alle Menschen sind durch Satan Überfallene und Ausgeraubte, doch Jesus kam, heilte unsere Wunden und brachte uns in Sicherheit.
Der Samariter hatte sich von der Stimme seines Herzens leiten lassen, nicht von Angst oder Nützlichkeitserwägungen. Er hatte das getan, was Gott von ihm erwartete. Mehr erwartet Gott auch von uns nicht; Gott möchte nicht, dass sich unser Leben in religiösen Formen erschöpft, sondern dass wir unseren Nächsten lieben und ihm in der Not helfen. Wenn wir einen Leidenden oder Bedürftigen sehen, sollten wir nicht vorbeigehen, sondern zumindest versuchen, ihm etwas von dem Trost weiterzugeben, den wir von Gott empfangen haben. [1]
Quellen
Der Sinn der Gleichnisreden · Die Gleichnisse vom Himmelreich · Vom Sämann · Vom Unkraut unter dem Weizen · Vom Senfkorn · Vom Sauerteig · Vom Schatz im Acker · Von der kostbaren Perle · Vom Fischnetz · Vom Wachstum der Saat · Vom reichen Narren · Vom Pharisäer und vom Zöllner · Vom verlorenen Schaf · Von der verlorenen Drachme · Vom verlorenen Sohn · Vom unbarmherzigen Knecht · Vom reichen Mann und armen Lazarus · Vom Flicken und vom neuen Wein · Vom ungerechten Richter · Vom barmherzigen Samariter · Die Jünger und das Licht · Von den Arbeitern im Weinberg · Von den zwei Söhnen · Von den anvertrauten Talenten · Vom untreuen Haushalter · Von den Weingärtnern · Vom königlichen Hochzeitsmahl · Vom großen Gastmahl · Vom Feigenbaum · Von den zehn Jungfrauen

