Gleichnis vom Sinn der Gleichnisreden
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Bibelstelle
Das Gleichnis findet sich in Matthäus 13,10-17, Matthäus 13,34-35, Markus 4,10-13, und in Lukas 8,9-10.
Inhalt
Im Gleichnis erklärte Jesus seinen Jüngern, warum er mit den Juden in Gleichnissen redete, mit den Jüngern hingegen nicht. Er begründete dies damit, dass es den Jüngern gegeben sei, die Geheimnisse des Reiches der Himmel zu verstehen, jenen aber nicht. Jene "sehen und sehen doch nicht, und hören und hören doch nicht und verstehen nicht" [1]. Jesus zitierte eine Prophezeiung aus [1], die er auf die Juden bezog: "Mit den Ohren werdet ihr hören und werdet es nicht verstehen; und mit sehenden Augen werdet ihr sehen und werdet es nicht erkennen. Denn das Herz dieses Volkes ist verstockt: Ihre Ohren hören schwer und ihre Augen sind geschlossen, damit sie nicht etwa mit den Augen sehen und mit den Ohren hören und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren, und ich ihnen helfe." Gleichzeitig lobte er die Jünger und pries sie selig, dass die das, was sie sehen und hören, aufnahmen und verstanden, da viele Propheten und Gerechte sich gewünscht hatten, zu sehen und zu hören, und haben es doch nicht.
Situation
Biblischer Kontext
In Matthäus 12 geht es um Jesus, den Herrn über den Sabbat, der trotz jüdischer Tradition am Sabbat Ähren pflückt und einem Mann seine verdorrte Hand heilt. Wegen dieser Handlungen gab es eine große Meinungsverschiedenheit zwischen ihm und den Pharisäern und Schriftgelehrten, woraufhin diese beratschlagen, wie sie ihn umbringen können.
Als ein Besessener zu Jesus gebracht wurde und dieser ihn heilt, klagen ihn die Pharisäer und Schriftgelehrten an, dass er "die Dämonen nicht anders austreibt als durch den Beelzebul, den Obersten der Dämonen" Matthäus 12,24.
Während Jesus weiter lehrte und in Streitfragen mit den Pharisäern und Schriftgelehrten trat, kamen seine Mutter und seine Brüder und wollten ihn sehen. Er jedoch geht nur auf die geistliche Verwandtheit ein: "Wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter." Matthäus 12,50
Am selben Tag ging Jesus an den See (vermutlich den See Genezareth, wo er sich einige Male aufhielt [1]), und eine große Volksmenge versammelte sich, so dass er aufs Wasser hinausfuhr, um besser gehört und gesehen zu werden [1]. Von dort aus lehrte er der Menge das Gleichnis vom Sämann. Seine Jünger fragten ihn danach, warum er in Gleichnissen rede, woraufhin er ihnen dieses Gleichnis vom Sinn der Gleichnisreden erzählte und daraufhin ihnen eine Deutung des Gleichnisses vom Sämann gab.
Der Menschenmenge erzählte er noch das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen, das Gleichnis vom Senfkorn und das Gleichnis vom Sauerteig, bevor er sie entließ und in ein Haus ging. Seine Jünger wandten sich wieder an ihn und baten um eine Erklärung des Gleichnisses vom Unkraut auf dem Acker, die er ihnen bereitwillig gab.
Anlass und Zuhörer
Anlass für das Gleichnis ist die Frage der Jünger nach der Deutung des Gleichnisses vom Sämann. Sie waren "hinzugetreten" [1] und wahrscheinlich seine einzigen Zuhörer.
Hintergründe
"Wenn er die Natur als Lehrbeispiel heranzog, sprach Christus über Dinge, die er selbst geschaffen hatte, die Eigenschaften und Fähigkeiten, die er ihnen selbst verliehen hatte. In ihrere ursprünglichen Vollkommenheit waren alle geschaffenen Dinge ein Ausdruck des Gedankens Gottes. Für Adam und Eva im Garten Eden war die Natur angefüllt mit der Weisheit Gottes, göttliche Unterweisung im Überfluss. Sie erkannten die Weisheitmit den Augen und nahmen sie auf in ihren Herzen, denn sie verkehrten mit Gott in seinem geschaffenen Werk. Sobald das heilige Paar jedoch das Gesetz des Allerhöchsten übertrat, verschwand auch das wunderbare helle Licht vom Angesicht Gottes aus dem Angesicht der Natur. Jetzt war die Erde verdorben, beschmutzt durch die Sünde. Und trotzdem ist noch sehr viel Schönes geblieben. Gottes Lehren in der Natur sind nicht unkenntlich geworden. Recht verstanden, spricht die Natur noch immer von ihrem Schöpfer.
In den Tagen Christi hatten die Menschen diese Lehren aus den Augen verloren. Sie hatten so nach und nach aufgehört, Gott in seinen Werken zu erkennen. Die Sündhaftigkeit der Menschheit verdeckte wie ein Leichentuch die Schönheit der Schöpfung, und anstatt Gott zu offenbaren, wurden seine Werke zu einem Hindernis, ihn zu erkennen. […] Christus wollte alles entfernen, was die Wahrheit verdunkelte. Er kam, um den Schleier beiseite zu schieben, den die Sünde über das Angesicht der Natur geworfen hatte, damit die göttliche Herrlichkeit, die alles Geschaffene widerspiegeln sollte, wieder sichtbar würde. Seine Worte rückten die Lehren der Natur wie die der Bibel in ein neues Licht, gaben ihnen eine neue Offenbarung. […]
In der Anfangszeit seines Dienstes sprach Christus zu den Menschen in so klaren, einfachen Worten, dass eigentlich alle seine Zuhörer die Wahrheit, die ihnen den Weg der Erlösung wies, hätten begreifen können. Aber in viele Herzen hatte die Wahrheit nicht Wurzel geschlagen und war schnell wieder verschwunden.
Jesus wollte Fragen aufwerfen. Er wollte die Gleichgültigen aufwecken und die Wahrheit in ihre Herzen gründen. Gleichniserzählungen waren beliebt und weckten nicht nur die Achtung und Aufmerksamkeit der Juden, sondern auch die der Zuhörer aus anderen Bevölkerungsgruppen. Er hätte keine effektivere Art der Unterweisung benutzen können. Hätten seine Zuhörer wirklich den aufrichtigen Wunsch nach Erkenntnis göttlicher Dinge gehabt, dann hätten sie seine Worte verstanden, war er doch zudem immer bereit, sie dem ehrlichen Fragenden zu erklären.
Andererseits hatte Christus auch eine Botschaft zu verkünden, auf die die Menschen noch nicht vorbereitet waren, die sie weder schon verstehen, noch annehmen konnten. Auch aus diesem Grunde lehrte er in Gleichnissen. Indem er eine Beziehung zu ihrem alltäglichen Leben, zu ihren Erfahrungen und zur Natur, die sie umgab, herstellte, konnte er ihre Aufmerksamkeit auf sich ziehen und ihre Herzen berühren. Wenn sie danach wieder mit den Dingen, von denen er gesprochen hatte, in Berührung kamen, erinnerten sie sich an die Ausfährungen des göttlichen Lehrers. Herzen, die zugänglich waren für das Wirken des Heiligen Geistes, würde die Bedeutung der Lehren des Heilandes nach und nach immer klarer. Geheimnisse wurden offenbar und das, was schwer zu begreifen war, wurde verständlich.
Es gab noch einen anderen Grund, weshalb er in Gleichnissen redete. In der Menge, die sich um ihn versammelte, befanden sich Priester, Schriftgelehrte und Älteste, Herodianer und Staatsbeamte, scheinheilige, ehrgeizige sowie weltliebende Männer, die sich nichts so sehr wünschten, als eine Möglichkeit der Anklage gegen ihn zu finden. Ihre Spione waren täglich hinter ihm her, verfolgten jeden seiner Schritte und achteten auf jedes Wort, das er sprach, um etwas zu erheischen, wodurch sie ihn verurteilen und für immer zum Schweigen bringen könnten, diesen Menschen, der anscheinend die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf sich zog. Der Heiland durchschaute das Wesen dieser Männer und verkündigte seine Botschaft in einer solchen Weise, dass sie nicht daran finden konnten, was für eine Anklage vor dem Hohen Rat gereicht hätte. In diesen Gleichnissen tadelte er die Heuchelei und Schlechtigkeit der hohen Amtsträger. In diese bildhafte Sprache kleidete er dermaßen schneidende Wahrheiten ein, dass, hätte er die Vorwürfe unverhohlen vorgebracht, man seinen Worten gar nicht erst zugehört, sondern seinem Wirken unverzüglich ein Ende bereitet hätte. Indem er aber die Konfrontation mit den Spionen vermied, brachte er die Wahrheit so klar, dass die Fehler offenbar wurden und diejenigen, die ehrlichen Herzens zuhörten, von seinen Lehren profitierten." [1]
Deutung
Zu Beginn seines Dienstes sprach Jesus in einfachen und klaren Worten, die jeder hätte begreifen können. "Sehen und doch nicht sehen, hören und doch nicht verstehen" - dies geschah mit Menschen, die die Wahrheit, die Jesus lehrte, nicht annehmen wollten, in deren Herzen die Wahrheit keine Wurzel geschlagen hatte, wie Matthäus es beschreibt: "Denn das Herz dieses Volkes ist dick geworden, und mit den Ohren haben sie schwer gehört, und ihre Augen haben sie geschlossen, damit sie nicht etwa mit den Augen sehen und mit den Ohren hören und mit dem Herzen verstehen und sich bekehren und ich sie heile.[1] " [1]
Quellen
Der Sinn der Gleichnisreden · Die Gleichnisse vom Himmelreich · Vom Sämann · Vom Unkraut unter dem Weizen · Vom Senfkorn · Vom Sauerteig · Vom Schatz im Acker · Von der kostbaren Perle · Vom Fischnetz · Vom Wachstum der Saat · Vom reichen Narren · Vom Pharisäer und vom Zöllner · Vom verlorenen Schaf · Von der verlorenen Drachme · Vom verlorenen Sohn · Vom unbarmherzigen Knecht · Vom reichen Mann und armen Lazarus · Vom Flicken und vom neuen Wein · Vom ungerechten Richter · Vom barmherzigen Samariter · Die Jünger und das Licht · Von den Arbeitern im Weinberg · Von den zwei Söhnen · Von den anvertrauten Talenten · Vom untreuen Haushalter · Von den Weingärtnern · Vom königlichen Hochzeitsmahl · Vom großen Gastmahl · Vom Feigenbaum · Von den zehn Jungfrauen

