Gleichnis vom Sämann
Aus AdvenTiki
Im Gleichnis erzählt Jesus vom Sämann, der Samen aussäte. Der Samen fiel an vier verschiedene Stellen: an den Weg, wo die Vögel es fraßen; auf felsigen Boden, wo er wegen der wenigen Erde sofort aufging, aber bei der ersten Sonnenstrahlung vertrocknete; weiter unter die Dornen, die den Samen beim Wachsen erstickten; und schließlich auf fruchtbaren Boden, wo er aufging und viel Ertrag brachte, einige hundertfach, einige sechzigfach, einige dreißigfach.
Inhaltsverzeichnis |
Bibelstelle
Das Gleichnis findet sich in Matthäus 13,3-9.18-23, Markus 4,3-9 und Lukas 8,4-8.
Situation
Biblischer Kontext
In Matthäus 12 geht es um Jesus, den Herrn über den Sabbat, der trotz jüdischer Tradition am Sabbat Ähren pflückt und einem Mann seine verdorrte Hand heilt. Wegen dieser Handlungen gab es eine große Meinungsverschiedenheit zwischen ihm und den Pharisäern und Schriftgelehrten, woraufhin diese beratschlagen, wie sie ihn umbringen können.
Als ein Besessener zu Jesus gebracht wurde und dieser ihn heilt, klagen ihn die Pharisäer und Schriftgelehrten an, dass er "die Dämonen nicht anders austreibt als durch den Beelzebul, den Obersten der Dämonen" Matthäus 12,24.
Während Jesus weiter lehrte und in Streitfragen mit den Pharisäern und Schriftgelehrten trat, kamen seine Mutter und seine Brüder und wollten ihn sehen. Er jedoch geht nur auf die geistliche Verwandtheit ein: "Wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter." Matthäus 12,50
Am selben Tag ging Jesus an den See (vermutlich den See Genezareth, wo er sich einige Male aufhielt [1]), und eine große Volksmenge versammelte sich, so dass er aufs Wasser hinausfuhr, um besser gehört und gesehen zu werden [1]. Von dort aus lehrte er der Menge das Gleichnis vom Sämann.
Seine Jünger fragten ihn danach, warum er in Gleichnissen rede, woraufhin er ihnen dieses Gleichnis vom Sinn der Gleichnisreden erzählte und daraufhin ihnen eine Deutung des Gleichnisses vom Sämann gab.
Der Menschenmenge erzählte er noch das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen, das Gleichnis vom Senfkorn und das Gleichnis vom Sauerteig, bevor er sie entließ und in ein Haus ging. Seine Jünger wandten sich wieder an ihn und baten um eine Erklärung des Gleichnisses vom Unkraut auf dem Acker, die er ihnen bereitwillig gab.
Anlass und Zuhörer
Der Anlass zum Erzählen des Gleichnisses ist die versammelte Menschenmenge, unter ihnen Kranke und Leidende, die Jesus ihre Sorgen und Gebrechen mitteilten und von ihren Krankheiten geheilt wurden. Als die Menge zu groß wurde, um mit den Einzelnen zu reden, ließ Jesus sich von seinen Jüngern ein Stück vom Ufer abstoßen. Dann fing Jesus an, die Menge zu lehren. [1]
Die Zuhörerschaft bestand aus Juden, darunter einige Kranke, und die Jünger Jesu, die auch später mit ihm auf dem Boot waren.
Hintergründe
Die Juden zur Zeit Jesu erwarteten den Messias als einen Erlöser von der römischen Herrschaft, unter der das Land Israel damals litt. Als Jesus als neuer Lehrer auftrat, konzentrierte sich diese Hoffnung auf ihn; doch er erfüllte sie nicht. Vielmehr versuchte er, die falschen Vorstellungen seines Volkes in Bezug auf das Reich Gottes zu korrigieren. Nicht durch die Kraft von Waffen oder kriegerische Auseinandersetzungen würde Gottes Reich sich verbreiten, sondern durch das Säen neuer Glaubensgrundsätze in die Herzen der Menschen. Christus, der Sämann, kam nicht, um die bestehende Herrschaft der Römer zu stürzen, sondern um Samen zu säen. Seine Nachfolger sollten nicht irdische Größe erlangen, sondern durch geduldige Arbeit, Verzicht und Enttäuschung sollte eine große Ernte eingetragen werden.
Die Pharisäer gaben vor, die Bedeutung des Gleichnisses nicht zu verstehen, da ihnen die Lehre nicht willkommen war. Die Jünger und die Menschenmenge jedoch verstanden Jesus nicht, und ihr Interesse wurde geweckt. Genau das hatte Jesus beabsichtigt, denn nun konnte er ihnen das Gleichnis erklären, wie er jedem sein Wort offenbart, der ihn von ganzem Herzen sucht.
Die Analogie zum Sämann, der ausging, um zu säen, ist deutlich in den damaligen unsicheren Verhältnissen und Gefahren von Gewalttaten im Orient, in die sich jeder begab, der sich außerhalb der schützenden Stadtmauern bewegte. Die Bauern mussten, um auf dem Feld arbeiten zu können, jeden Tag den Schutz der Mauern aufgeben. Genauso ist es mit Christus, dem himmlischen Sämann, der seine himmlische Heimat verließ, um auf der Erde als leidender, versuchter Mensch zu leben. Genauso müssen Jesu Diener ihre geschützte Umwelt verlassen, um Gott nachzufolgen.[1]
Deutung
Jesus selbst deutet das Gleichnis, er erklärt es seinen Jüngern (Matthäus 13,18-23). Daher gibt es keinen Spielraum für eigene, falsche Interpretation, sondern es kann wörtlich genommen werden, was Jesus den Jüngern sagt.
Er erklärt es folgendermaßen: Der, bei dem der Same auf den Weg gestreut wurde, ist wie einer, der das Wort vom Reich Gottes hört und nicht versteht; dann kommt der Böse (Satan) und raubt, was in sein Herz gestreut wurde.
Der felsige Boden symbolisiert den, der das Wort hört und mit Freuden aufnimmt, aber da er keine Wurzel hat, lässt ihn sein wetterwendischer Glaube bei Bedrängnis und Verfolgung sofort verwelken.
Der dritte Samen ist unter die Dornen gesät und steht für jemanden, der das Wort hört, aber sein Alltag und seine Beschäftigung ("die Sorge der Welt und der betrügerische Reichtum" [1]) ersticken das Wort im Keim, und es kann nicht aufgehen.
Schließlich wird der Same auch auf fruchtbaren Boden gesät. Dies steht für einen, der das gute Wort hört und versteht; dieser bringt dann viel Frucht, einer hundertfach, einer sechzigfach, einer dreißigfach.
In Matthäus 13,37 erklärt Jesus, dass Sämann der Menschensohn ist, das heißt er selbst.
Nicht explizit wird erklärt, was der Same ist; aber durch die Deutung des restlichen Gleichnisses lässt sich darauf schließen, dass der Same für das Wort Gottes, das Evangelium, steht.
Quellen
Der Sinn der Gleichnisreden · Die Gleichnisse vom Himmelreich · Vom Sämann · Vom Unkraut unter dem Weizen · Vom Senfkorn · Vom Sauerteig · Vom Schatz im Acker · Von der kostbaren Perle · Vom Fischnetz · Vom Wachstum der Saat · Vom reichen Narren · Vom Pharisäer und vom Zöllner · Vom verlorenen Schaf · Von der verlorenen Drachme · Vom verlorenen Sohn · Vom unbarmherzigen Knecht · Vom reichen Mann und armen Lazarus · Vom Flicken und vom neuen Wein · Vom ungerechten Richter · Vom barmherzigen Samariter · Die Jünger und das Licht · Von den Arbeitern im Weinberg · Von den zwei Söhnen · Von den anvertrauten Talenten · Vom untreuen Haushalter · Von den Weingärtnern · Vom königlichen Hochzeitsmahl · Vom großen Gastmahl · Vom Feigenbaum · Von den zehn Jungfrauen

